Michaela Russmann, die Rohkost-Königin aus Wien im Interview

Ihre Energie könnte für drei Personen reichen: Wir waren mit der liebenswerten Wienerin und Rohkost-Expertin Michaela Russmann im Gespräch. Im Interview mit der erfolgreichen Kochbuchautorin erfährt ihr was Rohkost mit Science-Fiction-Literatur gemeinsam hat, wo Michaela Ihre ganze Energie hernimmt und wie sie dazu gekommen ist Botschafterin für Jamie Oliver’s „Food Revolution“ zu werden. Wer sich für Michaelas Kochkünste interessiert, darf sich übrigens die nächsten Wochen auf Rezepte in unserem neuen Rezepte-Bereich freuen.

vanilla bean: Michaela, als wir dich vor kurzem kennen lernen durften, haben wir erstmal über dein Multi-Talent gestaunt: Mutter, studierte Soziologin, Pädagogin, Kochbuch-Autorin, seit 20 Jahren Rohkost-Expertin, Besitzerin eines erfolgreichen Bio-Bistros und Ladens in Wien, und das ist noch nicht mal alles. Verrätst du uns dein Geheimnis woher du all diese Energie nimmst?

Michaela: Die Energie kommt von alleine, wenn man die Dinge mit Herz und viel Leidenschaft macht. Ich liebe meine Arbeit. Meine Unternehmen sind meine Babys und die pflege ich natürlich mit viel Liebe und Hingebung. Zudem halte ich mich körperlich fit mit gesunder Ernährung und viel Bewegung. Ganz wichtig ist mir auch der Rückhalt der Familie – wir leben alle im selben Bezirk und sehen uns täglich. Aus diesen Treffen schöpfe ich wahnsinnig viel Energie.

vanilla bean: Als Köchin bist du vor allem für deine leckeren Rohkost-Speisen bekannt. Was begeistert dich so sehr an der Rohkost und welche Vorteile hat es mehr Rohkost in seine Diät einzubauen?

Michaela: Rohkost ist für mich die einfachste und geschmackvollste Art der Ernährung überhaupt. Ich liebe das Bunte, Vielfältige, Intensive und Frische an der rohen Küche. Man kann so unglaublich toll variieren und mit wenig Zutaten eine unglaublich leckere Speise zaubern, die nicht nur einen selbst überzeugt, sondern auch Familie, Bekannte und Freunde. Der größte Vorteil der Rohkost ist, dass sie völlig unbehandelt ist – kein Kochen, kein Backen, kein Dampfgaren etc. – die Vitamine bleiben enthalten und man füttert seinen Körper mit unendlich viel Power und Kraft.

Rohkost ist für mich die einfachste und geschmackvollste Art der Ernährung überhaupt.

vanilla bean: Im Kult-Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" gibt der intelligente Computer „Deep Thought“ als Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens die berühmte Antwort „42“. Auch in der Rohkost spielt die 42 die alles entscheidende Rolle. Warum ist diese Zahl für Rohköstler so wichtig?

Michaela: Die magische Zahl 42 (schmunzelt)… Hier ist die Temperaturgrenze gemeint. Über 42 Grad darf in der Rohkost-Küche nicht erhitzt werden, weil sonst Vitamine und Enzyme zerstört werden können. Die 42 Grad sind natürlich nur ein Durchschnittswert. Manches Obst und Gemüse verträgt mehr und manches eben weniger. In Kopenhagen gibt es zum Beispiel auch ein Rohkost-Restaurant, das 42°Raw heißt.

vanilla bean: Gibt es Punkte in der Ernährung auf die man als veganer Rohköstler besonders achten sollte im Gegensatz zu einer normalen veganen Ernährung?

Michaela: Im Grunde nein. Die kunterbunte Mischung und das Ausgleich macht es aus. Ein zu viel an Fett oder Süße (z.B. Trockenfrüchte) sind auch in der Rohkostküche nicht gesundheitsfördernd, aber natürlich allemal besser als Zucker und Magarine. Viel Grün und viele Kräuter runden die perfekte Rohkostküche ab.

vanilla bean: In der Super-Food-Ecke finden sich im Bio-Laden auch die oft teuren Bio-Rohkost- Produkte. So mancher muss schon in Verwöhnstimmung sein, um sich die erlesenen Produkten zu leisten. Geht denn Rohkost auch günstig?

Michaela: Rohkost muss ganz und gar nicht teuer sein, wenn man fertige Produkte wie RAWfoodRiegel, Energiekugeln oder Rohkostbrot links liegen lässt. Diese Dinge sind zu Hause einfach und günstig herstellbar und sollten zudem eh nur in Maßen genossen werden, weil sehr nusslastig. Gott sei Dank hat jeder Discounter schon vernünftige Bioware, die günstig erhältlich ist. Und es muss ja nicht jeden tag eine Bioananas oder Biomango sein. Ich bin der Meinung, dass man nur wenig kaufen soll, hiervon aber das beste und das ist dann die Definition von Luxus. Zusammengefasst sei gesagt, dass jeder in den Genuss von hochwertigen Biolebensmittel kommen kann. Etwas die Preise vergleichen, selber produzieren und mit Rücksichtsnahme auf die Saison von Obst und Gemüse steht dem kulinarischen Bioabenteuer in Rohkostqualität nichts mehr im Weg.

Rohkost muss ganz und gar nicht teuer sein.

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vanilla bean: In deinem neuen Kochbuch „Rohgenuss“ ist „jeder Tag ein Fest“. Was ist die Idee hinter dem Buch und welche Rolle nehmen Feste für dich in deinem Leben ein?

Michaela: Ich liebe Feste und Feiern. Ich mag es Leute zu bekochen und ich bin begeisterte Stimmungskanone (lacht). Zudem bin ich der größte Anhänger des Spruches: „Feste soll man feiern wie sie fallen“. Aus dieses Leidenschaft zum Feiern habe ich die Idee zum Buch entwickelt. Neben Party, Hochzeit und Romantik oder alles rund um Weihnachtsfest findet man Kapitel wie Brunch und Frühstück, Lowbudget oder auch Gerichte für Unterwegs. Alle Speisen sind einfach und ohne Geräte wie Dörrautomat oder Hochleistungsstandmixer zuzubereiten und auch die Zutatenliste ist kurz und knackig gehalten. ROH ROCKT nun mal jeden Tag!

vanilla bean: Was ist dein Lieblings-Gemüse?

Michaela: Definitiv der Kohlrabi. Knackig, frisch und superpraktisch zum Essen, hab ich ihn jeden Tag am Teller.

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vanilla bean: Eine Auswahl deiner Rezepte werden Interessierte in Zukunft auch in unserem News & Rezepte-Bereich finden. Besonders schön an deinen Rezepten finden wir, dass du oft mit nur wenigen und überall verfügbaren Zutaten köstliche Speisen zauberst. Ist deine Küche mit der Zeit einfacher geworden?

Michaela: Nein, meine Küche war schon immer einfach und unkompliziert. Ich finde, dass gerade der Alltag nur mit einer sehr schnellen aber geschmacksvollen Küche nachhaltig gesund funktionieren kann. Demnach halte ich die Zutatenlisten und den Zeitaufwand kurz. Sonntags stehe ich dann aber auch gerne mal länger in der Küche und experimentiere herum.

vanilla bean: Wenn wir das nächste mal in Wien sind, müssen wir unbedingt in deine BioWerkstatt im ersten Bezirk vorbeischauen. Was würde uns dort erwarten?

Michaela: Die BioWerkstatt ist ein Bioladen mit zugehörigen BioBistro. Mittags kann man vegan essen. Ich bereite immer eine vegane Tagessuppe und einen veganen Tagesteller zu. Zudem kann man aus einer vielfältigen Salatbar wählen und hausgemachte vegane Mehlspeisen genießen. Es erwarten meine Kunden eine sehr familiäre und gemütliche Atmosphäre mit viel Tratsch und Freude. Im Laden selbst kann man aus einem Vollsortiment wählen: Tee, Müsli, Süßes, Pasta und Pesto, Superfood, Antipasti, Knabbereien, Getränke etc. stehen zum Gustieren bereit.

vanilla bean: In Österreich bist du Botschafterin für Jamie Oliver’s Food Revolution. Wie bist du denn zu Jamie Oliver gekommen und was gefällt dir an seinem Food-Revolution- Projekt?

Michaela: Zu Jamie Oliver bin ich über Freunde gekommen und habe mich spontan ist die Projektidee verliebt. Als Pädagogin liebe ich es mit Kindern zusammenzuarbeiten und ihnen die gesunde Küche zu vermitteln. Kinder sind so unglaublich neugierig und wissbegierig. Ich bin der Meinung, dass man das genau in dieser Zeit gut „ausnutzen“ soll und den Kindern ein großartiges Basiswissen mit ins Leben geben kann. Beim Food-Revolution-Projekt schätze ich auch das große Miteinander sehr. Alle helfen zusammen und dürfen letztendlich auch zusammen essen und genießen. Das motiviert zum gesunden Essen und trägt zur Nachhaltigkeit des Erlernten bei.

vanilla bean: Was sind deine fünf Lieblings-Restaurants, die Rohkost servieren?

Michaela: 42°Raw in Kopenhagen, Gló in Island, Dancing Shiva und simply raw bakery beide aus Wien und natürlich meine BioWerkstatt in Wien.

vanilla bean: Rohkost-Küche bedeutet für dich auch immer bio und ganz verstärkt auch saisonal. Damit verfolgst du einen ganzheitlichen Ansatz mit dem auch ich mich super identifizieren kann. Ist bio in der Rohkost noch wichtiger, als anderswo?

Michaela: Bio ist in allen Lebenslagen wichtig, nämlich für Umwelt und Körper gleichermaßen. Aber natürlich ist es in der Rohkost doppelt wichtig, da nichts erhitzt wird und Pestizide nicht „abgetötet“ werden. Aber als Biounternehmerin, würde ich natürlich nie konventioneller Ware empfehlen. Fast jeder hat schon Erdbeeren zur Sommerzeit aus dem Garten gegessen und kennt den meilenweiten Unterschied zu den faden und wässrigen Erdbeer-Exporten. Saisonale und regionale Zutaten zu verwenden ist nicht nur nachhaltig, sondern macht auch geschmacklich Sinn!